VI. London Global Forum, 15. März 2018

Eine goldene Regel der Automobilindustrie lautet: Baue niemals ein neues Auto, in einer neuen Fabrik mit einem neuen Team. Diese Regel soll nicht gebrochen werden? Carl-Peter Forster, Vorstandsvorsitzender der London Electric Vehicle Company (LEVC) und Mitglied des Aufsichtsrats von Geely China, belehrte die Mitglieder von Global Bridges eines besseren.

Auf Einladung von Herrn Forster fand das VI. London Global Forum am 15. März 2018 auf dem Werksgelände der LEVC in Coventry statt – eine hervorragende Gelegenheit, um aus erster Hand zu erfahren, wie die LEVC das traditionsreiche London Black Cab innerhalb kürzester Zeit neu erfunden und in ein emissionsarmes, modernes Taxi verwandelt hat.

Der Tag begann mit einem herzlichen Empfang durch Frank Klaas, Head Of Communications for Europe and the United States bei Geely. Zusammen mit Beate Lindemann legte er den Grundstein für die Freundschaft von Geely mit Global Bridges, als im vergangenen Jahr eine Delegation von Global Bridges erstmals die Geely-Fabrik in Dalian, China, besuchte. Frank Klaas berichtete von der Übernahme der London Taxi Company durch Geely vor fünf Jahren und die Geburtsstunde des weltweit einzigen, an die besonderen Bedürfnisse einer Großstadt angepassten Elektrotaxis. £300 Millionen wurden in die Fabrik investiert, und heute liegen bereits „Flottenaufträge“ aus Deutschland, Frankreich und den Niederlande vor. 200 Taxis wurden schon in die Niederlande ausgeliefert.

Bei der anschließenden Werksführung gab die Produktionsleitung tiefe Einblicke in Fertigungsabläufe der LEVC. Beispielsweise wurde erklärt, wie die Taktzeiten seit Produktionsbeginn im vergangenen Jahr signifikant reduziert werden konnten und nach welchen Regeln das strenge, interne Qualitätsmangement abläuft.

Es folgten Vorträge von Führungskräften der LEVC.

So erläuterte etwa Paul Wooley, COO der LEVC, die Vision des Unternehmens – „to be the urban commercial vehicle provider of choice“ – und sprach über die diversen Herausforderungen, die das Team meistern musste, um diese Vision innerhalb kürzester Zeit umzusetzen: Beispielsweise wurde der straffe Zeitplan für den Neubau einer Fabrik auf der „grünen Wiese“ durch den Fund einer seltenen Molchart, die zuerst umgesiedelt werden musste, um drei Monate verzögert. Zudem musste, um das hohe Gewicht der Batterie auszugleichen und die elektrische Reichweite des Taxis zu maximieren, ein neuer Fahrzeugrahmen aus Aluminium entwickelt werden.

Frank Klaas erörterte die besonderen Herausforderungen der Produktkommunikation und berichtete über das an die ca. 25.000 Londoner Taxifahrer gerichtete Informationsprogramm der LEVC.

Julian Servant, Commercial Director bei Emerald Automotive, sprach über die speziellen Bedingungen beim Neudesign von Londons symbolträchtigen Black Cab. So musste bei gleichen Fahrzeugabmessungen im Innenraum Platz für sechs, statt fünf Passagiere geschaffen werden. Und natürlich musste das Fahrzeug behindertengerecht sein und seinen einzigartigen Wendekreis beibehalten. 

Zum krönenden Abschluss das Tages wurden die Mitglieder von Global Bridges im Elektrotaxi nach Ansty Hall gefahren, wo ein gemeinsames Abendessen mit Carl-Peter Forster, Vorstandsvorsitzender der LEVC, stattfand. Herr Forster sprach über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven der Elektromobilität und berichtete, wie LEVC es allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich schaffte, ein neues Auto, in einer neuen Fabrik, mit einem neuen Team auf den Markt zu bringen. Die anschließenden Fragen wollten kein Ende nehmen. Der Schlüssel zu LEVCs Erfolg? Ein erstklassiges Expertenteam mit langjähriger Erfahrung in der Automobilindustrie, ein agiles start-up- ähnliches Umfeld und natürlich: ein überzeugendes Produkt. Obwohl er erst am Morgen aus China zurückgekehrt war, wurde er nicht müde, die vielen Fragen bis spät am Abend zu beantworten.